Umgebung: die Mehrwert

31.05.2016

Umgebung: die Mehrwert
Zu dieser Jahreszeit wird im Aussenbereich wieder kräftig gearbeitet. Genau der richtige Moment also, dass auch Sie sich mit diesem Thema beschäftigen. Schliesslich nutzen wir alle direkt oder indirekt öffentliche Plätze, die Aussenräume von Wohnsiedlungen und Wohnhäusern sowie private Flächen. Die Aussenraumgestaltung ist eine echte Kunst. Um sich beim Konzept nicht zu verzetteln, sollten Sie den Ratschlägen der Landschaftsarchitektin Ruth Vorlet folgen, die unter dem Namen Espaces Verts ihr eigenes Büro in Freiburg führt und mit Ihrem Projekt den diesjährigen Umweltpreis der Schweizer Umweltstiftung genommen hat. Um Ihnen die Aussenraumgestaltung zu vereinfachen, hat sie uns einige Fragen beantwortet:

Welche Überlegungen sind für Immobilienfachleute wichtig, wenn es um Aussenräume geht?

Man muss das Objekt und die Aussenräume als Ganzes und nicht als getrennte Räumen sehen. Aussenräume sind identitätsstiftend und sehr wichtig für eine Immobilie. Bei einem Haus beispielsweise kann der Garten ein echtes Plus, wenn nicht sogar ein Highlight darstellen. Zudem steigert er auch den Wert der Immobilie.
Am besten passt man die Aussenräume an die Umgebung an. Dabei sollten örtliche Besonderheiten, die Geschichte und damit das kulturelle Erbe des Ortes, die städtebauliche Lage und natürlich die Funktion sowie die Bedürfnisse der Nutzer berücksichtigt werden. Man soll den Aussenraum ja geniessen können. Er soll die Lebensqualität und den Alltag der Nutzer verschönern.


Welche wichtigen Schritte gilt es bei der Konzeption von Aussenräumen einzuhalten?

Die grösste Herausforderung liegt in der Kohärenz und der Relevanz des Gesamtwerks, wobei folgende Punkte zu beachten sind: Neben einer Analyse des Standorts, seiner Lage und Geschichte, müssen zuallererst die angestrebten Ziele und das Budget abgesteckt werden. Denken Sie dabei auch an den künftigen Unterhalt. Nichts ist enttäuschender, als zusehen zu müssen, wie die Aussenfläche verwahrlost, weil man nicht an den Unterhalt gedacht hat. Ein schlecht gestalteter Aussenraum kann auch die Lebensqualität von Nutzern und Nachbarn beeinträchtigen.

Deshalb sollte man bei der Gestaltung an die Zugänglichkeit denken und die einzelnen Räume schichtweise (von oben nach unten) planen, wobei man am besten beim Grobkonzept anfängt und dann in die Details geht. Konkret wählt man zuerst die einzelnen Baugruppen und -elemente aus (Mauern, Wege, Beete) und schliesst alles mit der Auswahl der Pflanzen, Materialien, Formen und Farben ab. Hier die einzelnen Schichten:
1. die Oberschicht: Bäume verbinden Räume, bieten Schutz, spenden Schatten und dienen als Sichtschutz.
2. die Mittelschicht: Gehölze und Büsche dienen zur Begrenzung. Als geschnittene und schön gepflegte Hecke können sie Ihren Aussenraum umschliessen und dabei dennoch eine mehr oder weniger freie Sicht gewährleisten. Gleichzeitig können Büsche auch als Schutz zwischen Aussenraum und Strasse oder anderen Bauten dienen.
3. die Unterschicht: Dieser Schicht gehören Stauden Bodendecker sowie unterschiedlich genutzte Rasenflächen an.


Welchen Ansatz verfolgen Sie als Landschaftsarchitektin? Welchen Mehrwert können Sie unseren Kunden bieten?

Ich analysiere den Standort, dessen Geschichte und Potenzial und verschaffe mir ein umfassendes Bild, um ein möglichst passendes, nachhaltiges und stimmiges Ganzes zu schaffen, das sich gut in die Landschaft eingliedert und zum Gebäude passt. Jedes Projekt ist individuell und von seinem Standort inspiriert. Bei der Umsetzung werden die Wünsche, die technischen Anforderungen und die Besonderheiten des Ortes berücksichtigt. Ich bin als Landschaftsgestalterin tätig und biete verschiedene Varianten an. Ich kenne mich sehr gut mit Pflanzen und Materialien aus und biete zudem einen nicht zu vernachlässigenden Mehrwert: Der Kunde hat eine einzige, erfahrene Ansprechpartnerin, die noch dazu zweisprachig ist. Je nach Art, Umfang, Nutzung und Zweck des Objekts arbeite ich eng mit Architekten zusammen, bei Neu- oder Umbauten beispielsweise auch mit den lokalen und kantonalen Behörden und natürlich auch mit Unternehmen, Künstlern oder bei geschützten und besonderen Flächen und in der Nähe von Wasserläufen auch mit Biologen. Ich gewährleiste die Projektkoordination, halte die Kosten unter Kontrolle, verfolge den Baufortschritt und leite regelmässig Feedback weiter.

Welche Einschränkungen müssen Immobilienfachleute berücksichtigen?

Aus rechtlicher und stadtplanerischer Sicht sind die kantonalen Gesetze und die Orts- bzw. Stadtpläne einzuhalten, die insbesondere Eingriffe in die Standorttopografie, einzuhaltende Pflanzabstände, den Pflanzenschutz, die Parkplatzsituation usw. reglementieren. Was die Sicherheit und Zugänglichkeit anbelangt, sind die BFU-Vorschriften und die SIA-Normen einzuhalten, die sich insbesondere auf die Gestaltung von Spielflächen und die Barrierefreiheit für Menschen mit eingeschränkter Mobilität beziehen.

Natürlich müssen auch der Zustand bestehender Anlagen, die anfallenden Kosten sowie die Pflege der Pflanzen berücksichtigt werden. Bei der Begrünung kann im Umfeld von Wohnhäusern auf Pflanzen verzichtet werden, die eine starke Pollenbelastung hervorrufen. Dadurch wird die nicht allzu grosse Auswahl an einheimischen Pflanzen, die gut an unsere Umwelt angepasst sind, etwas eingeschränkt. Vermeiden Sie:
- verbotene Zierpflanzen (aus der Familie der Rosengewächse, wie Zwergmispeln und Zierquitten, Wirtspflanzen für den Feuerbrand),
- exotische Pflanzen, die nicht gut für unsere einheimischen Tierarten sind, wie Thujen,
- weitere Arten, die Sie vermeiden sollten, da sie invasiv sind, z. B. Schmetterlingsflieder (Buddleja) und Lorbeer
- Wirtspflanzen, die Pilzerkrankungen übertragen, wie der Wacholder.


Welche Möglichkeiten gibt es? Diese scheinen immer vielfältiger zu werden.

Dank der modernen Technik sind tatsächlich viele Elemente und Methoden entstanden, die man als Laie gar nicht kennt, weil die Auswahl so gross ist. Neben der Basisinfrastruktur gibt es auch eine breite Palette von Belägen und einheimischen sowie importierten Materialien, die endlose Möglichkeiten eröffnen, wenn es um Wege, Plätze, Bänke, Mauern und Palisaden, Einfassungen, Möbel, Spielgeräte, Beleuchtung sowie bauliche Elemente wie Pergolas und Wasserspiele geht. Auch Kunstwerke und andere Skulpturen sollte man nicht vergessen. Hingegen zeichnet sich eine erfolgreiche Aussengestaltung durch eine schlichte und wohlüberlegte Auswahl von Materialien aus, die sowohl untereinander als auch mit den Bauten harmonieren.

Bei den Pflanzen kann man entweder auf lokale Produkte setzen oder Gewächse aus Italien, Deutschland oder Holland importieren, damit eine gewisse Rückverfolgbarkeit und Qualität gewährleistet ist. Viele Baumschulen sind Ihnen dabei behilflich, indem sie importierte Pflanzen einige Jahre lang bei sich weiterzüchten. Aus ökologischer Sicht sollten Naturflächen bevorzugt werden, beispielsweise Blumenwiesen, Ruderalzonen (mit Pflanzenarten, die auf Brachland, in der Nähe von Häusern wachsen), Feuchtzonen, offene Rückhaltebecken für das von den Dächern gewonnene Regenwasser (mit Überlauf) oder sogar extensiv begrünte Flachdächer (mineralisches Substrat, auf dem an die Trockenheit und die Windbelastung angepasste Pflanzen angesät werden, wie Fetthenne, einjähriges Silberkraut oder Karthäusernelken) handeln. Zu beachten ist, dass gerade letztere Konfiguration nicht nur umweltfreundlich und dekorativ ist, sondern auch dazu beiträgt, das Dach dicht zu halten, die Dämmwirkung verstärkt, Wasser zurückhält und die Qualität der Umgebungsluft verbessert. Im Gegenzug erfordert die begrünte Fläche aber alle 6-12 Monate einen minimalen Pflegeaufwand.


Wie sehen die neuesten Trends aus?

Die Ausdrucksformen werden immer variantenreicher, von der Form her ist alles möglich – so wird man immer mehreren Nutzern statt nur einem bestimmten Nutzertyp pro Standort gerecht. Der Trend geht hin zu einem einfachen Design, zu zeitgenössischer Architektur, Freiräumen, einfachen, aber gut gestalteten, sachlichen Räumen mit grosszügigen Grundflächen. Die neuen Aussenräume sind warm, gemütlich, funktionell und an die Nutzer sowie deren Lebensstil angepasst. Durch verschiedenste Elemente wird eine eigene Identität gestiftet. Das ewig Gleiche ist nicht mehr gefragt. Stattdessen schafft man Ambiente (Bäume mit dichtem Blätterdach, etc.), spielt mit saisonalen Farben und Ornamenten, zum Beispiel im Frühling mit blühenden Kirschbäumen. Wer einen schönen Aussenraum schaffen möchte, muss zuweilen abgeschiedene oder blickgeschützte Räume schaffen, wie es manche Privatkunden wünschen.

Die Aussengestaltung kann auch das Bild eines Unternehmens oder Menschen widerspiegeln, zum Beispiel perfekt gepflegt und mit geometrischen Formen oder eher ganz naturbelassen und mit so wenig menschlichen Eingriffen wie nötig. Zudem bevorzugen momentan bestimmte Gemeinden und Auftraggeber Gräser, wasserdurchlässige Beläge, naturnahe Flächen mit Biotopen (natürliche Lebensräume), Rückhaltebrunnen, trockenere Bereiche oder Gesteinsflächen mit unterschiedlichem Bewuchs.

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