Die Macht der Farben

25.01.2016

Die Macht der Farben
Erklärungen aus Wissenschaft, Praxis, Grafik und Design: Warum Farben tatsächlich eine Wirkung entfalten. Farben sind nicht nur dekorativ, sondern erwecken auch Aufmerksamkeit und Gefühle. Und sie beeinflussen sogar Kaufentscheidungen! Laut verschiedenen Studien (z. B. «Impact of color on Marketing» der Universität Winnipeg) werden höhere Verkaufszahlen erreicht, wenn das Wort «Sale» nicht in hellem Violett, sondern in lebendigem Rot erstrahlt. Eine gut durchdachte Farbkomposition ist daher sehr wichtig. Was heisst das für Ihre Kommunikation und Ihre Webseite? Schauen wir uns das doch einmal genauer an.

Um die Rolle der Farben bei der Konzeption und Nutzung von Webseiten und Werbematerialien besser zu verstehen, beginnen wir am besten mit einigen technischen Aspekten.

Farben werden gebildet durch elektromagnetische Wellen unterschiedlicher Länge. Jeder Körper absorbiert oder reflektiert diese Wellen bzw. Farbtöne. Ein als weiss wahrgenommener Körper reflektiert übrigens die drei Grundfarben Rot, Grün und Blau vollständig. Für einen schwarzen Gegenstand gilt genau das Gegenteil. Hier bleibt kein Restlicht übrig, d. h. das Objekt «verschluckt» alle drei Farben. Ein roter Gegenstand absorbiert das Blau und das Grün und reflektiert nur das Rot. Ein grüner Gegenstand «verschlingt» das Blau und wirft das Rot und das Grün zurück, die zusammen die Farbe Gelb bilden. Die Farbe eines Gegenstandes entsteht demnach durch die Verbindung der reflektierten Grundfarben. Deshalb ist es wichtig, zwischen additiven und subtraktiven Farbmischungen zu unterscheiden, das heisst zwischen Licht- und Stoffmischungen. Bei der additiven Farbmischung wird Licht gemischt. Rotes und grünes Licht ergeben gelbes Licht; der Fernseher liefert den Beweis. Bei der subtraktiven Farbmischung hingegen werden Stoffe gemischt. Mischt man gelbe Malfarbe mit blauer Malfarbe, entsteht grüne Malfarbe.

In der Werbung erfolgt die Farbwahl je nach Werbeträger auf unterschiedliche Weise:

- RGB für Digitalwerbung
Das Spektrum der RGB-Farben (Rot-Grün-Blau) ist eine Lichtmischung (additiv) und kommt im Fernsehen, auf Bildschirmen und in digitalen Geräten zum Einsatz.

- CMYK für den Druck
Die CMYK-Farben sind Cyan (Blau), Magenta (Rot), Gelb und Schwarz. Das CMY-Spektrum ist eine Stoffmischung (substraktiv), zu der noch Schwarz hinzugefügt wird, um stärkere Kontraste und eine bessere Farbtiefe zu erzielen. Diese Farben werden für den Druck benutzt.

Pantone-Farben
Hierbei handelt es sich um Farbtöne, von denen jeder einzelne durch einen bestimmten Code gekennzeichnet ist. Diese Farben dürfen beim Druck nicht mit anderen Farben gemischt werden. Das Pantone-Matching-System hat sich zum Standard in der Druckbranche entwickelt und macht es möglich, die Farbe einer Marke oder eines Logos so genau wie möglich wiederzugeben. Durch dieses System wird die Nutzung der vier CMYK-Farben überflüssig. Zwei neue Farben wurden als Pantone Color of the Year nominiert: Rose Quartz – ein elegantes Blassrosa (Pantone 13 – 1520) und Serenity – ein zartes, kühles Mittelblau (Pantone 15 – 3919). Die ruhige und entspannende Wirkung des Farbduos ist Pantones Antwort auf den zunehmenden Stress unseres modernen Lebens — und kann uns dazu ermutigen, etwas runterzufahren sowie leiser und gefühlvoller zu agieren.

Primär- und Sekundärfarben
Die CMY- und RGB-Farben werden als Primärfarben bezeichnet. Werden sie gemischt, entstehen Sekundärfarben. Orange zum Beispiel ist eine Sekundärfarbe, die aus Rot und Gelb entsteht.

Und im Internet?
Neben der Wissenschaft sind natürlich auch die richtige Farbwahl und -kombination von Bedeutung. Zunächst ist es wichtig, die Symbolik der Farben zu kennen und zu wissen, dass zum Beispiel die Wirkung Ihrer Webseite von der Harmonie, der Verbindung und den Schattierungen der verwendeten Farben sowie deren Verteilung im Raum, dem Kontrast und den benutzten Formen abhängt. Natürlich sind Geschmäcker verschieden. Aber die Art und Weise, wie wir auf etwas reagieren, ist soziokulturell bedingt und damit relativ einheitlich. Trotzdem braucht es für die Farbwahl beim Webdesign einiges an Wissen und es sind auch ein paar Regeln einzuhalten. Oberste Priorität hat immer die Benutzerfreundlichkeit – dazu kann die Farbwahl wesentlich beitragen. Der Einfluss der Farben geht also klar über ästhetische Aspekte hinaus. Vielmehr wird eine Botschaft vermittelt und es wird eine bestimmte Atmosphäre geschaffen. Deshalb sind Farben für die Identität einer Marke von grösster Bedeutung.

Ihnen hat eine Farbe im Internet gefallen? Mit der Google-Chrome-Extension Eye Dropper können Sie den Farbcode Ihrer gesuchten Farbe bestimmen. Ihnen fehlt es an Ideen? Hier einige Farben und deren Bedeutung:

Rot: auffallend, anregend, leidenschaftlich, klangvoll, stark, animierend, Aufmerksamkeit erregend
Orange: energiegeladen, witzig, wohltuend, optimistisch, positiv, stimulierend
Gelb:lebhaft, optimistisch, fröhlich, intelligent, wird auch mit «günstig» assoziiert
Grün: natürlich, beruhigend, harmonisch, friedvoll, gesund
Blau: beständig, verlässlich, seriös, frisch, ehrlich, loyal, ist sowohl bei Männern als auch Frauen beliebt
Violett: geistreich, mystisch, weich
Rosa: jung, verspielt, sanft
Schwarz: elegant, neutral, funktionell, mysteriös, kraftvoll, würdevoll
Weiss: minimalistisch, wahr, pur, elegant, funktionell, angenehm
Grau: seriös, kompetent, hochwertig
Braun: authentisch, schwerfällig, genussvoll, bei Männern nicht beliebt
Malve: beruhigend, bei Frauen beliebt, bei Männern meist unbeliebt
Gold/Silber: können Wirkung von Farben verstärken und diesen einen nobles und exklusiven Touch verleihen

Die neuesten Trends für Ihre Webseite
Die Palette von auf dem Computer verfügbaren Farben wächst stetig. Während die Monochrom-Bildschirme der Sechziger- bis Achtzigerjahre gerade mal zwei verschiedene Farben anzeigen konnten, sind es heute mehr als vier Milliarden.

Für Ihre Webseite können Sie neutrale Farben oder Pastelltöne benutzen, auf leuchtende Farben setzen oder einen monochromen Stil (verschiedene Farbtöne einer Farbe) wählen. Je prägnanter die Farbe, desto stärker hebt sich das Produkt von der Masse ab. Farben können sich aber auch gegenseitig verstärken, womit eine noch breitere Wirkung erzielt wird. Andererseits können sich unpassende Farbkombinationen oder zu viel Farbe auch nachteilig auswirken.

Der derzeitige Trend heisst «Weniger ist mehr», ohne dabei in übermässige Monotonie zu verfallen. Man spricht von «Flat Design», also einem Webdesign-Stil, der auf überflüssige Details verzichtet. Charakteristisch für diesen Stil sind glatte Verläufe nüchterner, aber moderner Farben, wobei die Typografie dem Inhalt Struktur verleiht. Das «Flat Design» ist minimalistisch, extrem eingängig und puristisch.

Beachten Sie beim Erstellen Ihrer Seite, dass:
- Schattierungen, in denen verschiedene Farben genutzt werden, nicht mehr aktuell sind,
- es wichtig ist, nicht zu viele Farben zu benutzen,
- die beiden Hauptfarben einen starken Kontrast erzeugen müssen,
- empfohlen wird, Lightboxen auf den Detailseiten zu Ihren Objekten zu vermeiden, da nicht jeder dieser Boxen eine URL zugeordnet wird, störende Pop-ups, endlose Slider, Word-Clouds, unpersönliche Fotos und Flash-Animationen verpönt sind.

Weitere Trends:
- grosse Bilder,
- natürlich das responsive Design, damit Ihre Seite auf jedem Gerät einfach und gut lesbar ist; vertikales Scrollen, einseitige Webseiten und der Vollbildmodus liegen im Trend,
- figurative Bilder und Icons,
- Buttons, die gross genug sind, um sie gut anklicken zu können,
- diffuse Schatten,
- Barrierefreiheit (für behinderte Besucher),
- neue Schriften, mit denen sich ein einheitliches Erscheinungsbild in Print- und Webmaterial erzeugen lässt. Serifenlose, nüchterne, moderne, runde, minimalistische und geometrische Schriften stehen hoch im Kurs. Nutzen Sie jeweils nur eine bis zwei Schriftarten und spielen Sie mit der Grösse.
- Um sich von anderen Seiten zu unterscheiden, können Sie ganz auf Vintage, Chic usw. setzen.
- Spielmechanismen auf die Webseitengestaltung übertragen,
- soziale Signale perfekt in die Seite integrieren,
- Page-Ranking-Massnahmen.

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